Das Berühren der Figüren mit den Pfoten … ist ausdrücklich erwünscht

Als ich noch klein war fand ich Museen ätzend – wie jedes Kind eben. Aber eine Ausnahme gab es in meinem noch recht kulturablehnenden Universum: Das Deutsche Museum in München. Nicht weil ich so ein technikaffiner Nerd gewesen wäre. Nein. Im Deutschen Museum gab es Knöpfe und Hebel. Und wenn man diese betätigte, passierte auch etwas. Eine Kugel setzte sich auf einer schiefen Ebene in Bewegung, Blitze entluden sich, Zahnräder setzten einen Mechanismus in Gang. Kurz: Es rührte sich was – voll cool.

Mit der selben Begeisterung drücke ich noch heute auf Knöpfe, ziehe Hebel oder fahre mit meinem (virtuellen) Finger über Flächen und Bilder – nur halt online. Und wenn dann etwas passiert, das ich nicht erwartet hätte, sich mir ein attraktiver Nutzen bietet oder neue Informationen eröffnen. Falls es dann noch blinkt, brummt oder blitzt – dann hat mich die Seite gepackt. Frei nach Horst Schlemmer: „Isch habe Klicken“.

Ich drücke bei Giga-interaktiven Kampagnen, wenn ich zum Beispiel von einem Autokonzern aufgefordert werde, die Handlung eines Verfolgungsjagd-Clips zu beeinflussen. Ich drücke aber auch schon „like“ wenn ich auf Facebook an bestimmten Content kommen möchte. Sogar, wenn ich mit einer Armbrust (!) fünf iPads abschießen muss, um mit ein bisschen (!) Glück eines davon zu gewinnen, sind Flashbanner nicht vor meinem Cursor sicher – im vollen Bewusstsein: WERBUNG.

Zugegeben, nicht jeder ist ein so leicht zu beeindruckender Klicker wie ich. Eines steht dennoch fest. Interaktive Elemente tragen zu einer stärkeren Bindung der User an eine Website bei. Wenn dann die Interaktion noch Sinn macht und seriös ist, entstehen die viel besungenen Win-Win-Situationen. Zum Beispiel der Einsatz eines Bewertungstools. Die Möglichkeit für die Nutzer, Webseiten zu bewerten, sorgt nicht nur für mehr Interaktion und Identifikation der Besucher, sondern gibt wichtiges Feedback über die Beliebtheit und den Nutzen einer Seite/eines Unternehmens/eines Produktes – die Grundlage für einen wertvollen Dialog. Im Service-Bereich erfreuen sich Experten-Chats großer Beliebtheit. Man bleibt im Medium, erspart sich Endlos-Warteschleifen und kommuniziert eben nicht mit ahnungslosen Call Center Agents (oder ist das nur ein subjektiver Eindruck).

Aber ob nun Kontakt- oder Beschwerdemanagement, Gamification oder Crowdsourcing – wer die interaktiven Potentiale des Webs nicht nutzt, verballert große Chancen, verschenkt wertvolle Informationen und lebendige Dialoge. Außerdem nimmt er dem User/Kunden/Fan die Möglichkeit, echte Identifikation mit der Seite/der Marke/dem Angebot/dem Menschen aufzubauen.

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