Ein wenig Zen muss sein

Ein wenig Zen muss sein

Als ich das erste Mal in den vierten Stock vom neuen Complex gekommen bin, dachte ich nur so: Ganz schön viel. Viel von allem! Viel Quadratmeter – 300 um genau zu sein. Viel Glas. Und viel Ausblick. Wirklich vielversprechend. Den Style fand ich auch richtig gut: So loftig, mit viel Beton, geradlinig, schlicht, clean. Daraus ließe sich mit Sicherheit etwas richtig Geiles machen.

Auch wenn ich im ersten Moment noch kein fertiges Bild im Kopf hatt, wie das Büro am Ende aussehen sollte. Eines wusste ich gleich. Es fühlt sich richtig an. Und ich will das mitgestalten. Und um dabei zu sein habe ich mir auch gerne Extra-Arbeit ans Bein gebunden – neben meinem Job als Entwickler und Projektmacher war ich jetzt irgendwie auch noch – ääh Bauleiter?

Ein echtes Doppelleben, das ich da zu leben begann. Morgens auf der Baustelle Grundrisse sichten und verstehen, mit Lieferanten telefonieren und Handwerker koordinieren. Um 9 Uhr ins noch laufende Bürogeschäft im 100 Meter entfernten älteren Teil des Komplex-Baus. Irgendwann spät abends raus – und nebenbei noch ein Privatleben, wow. Aber es funktioniert.

Einen Großumzug kann ich übrigens nur jedem empfehlen, der seine Persönlichkeit schulen will: Handwerker, die ihre Termine nicht halten können, falsche Lieferungen, gescheiterte Punktlandungen beim Umzug der Telefonnummern und andere Hiobsbotschaften, aus denen neue Hiobsbotschaften entstehen – zenbuddhistische Langmut ist sehr hilfreich am Bau.

Aber auf der anderen Seite gibt es auch die Pläne, die funktionieren und den Baufortschritt sichtbar voranbringen, dann ist es wohl ein ähnliches Gefühl wie wenn ein Vater in spe seiner Frau stolz über den Bauch streichelt. So war es nach dem Einbau der machbar. Wunderschön. Dann schließt man nachts die Tür ab. Und seufzt. Zufrieden.

So wechseln sich Hochs und Tiefs eben ab, wie es das Leben halt so hergibt – sinuskurvig. So konnte ich es auch gut verschmerzen, wenn es am Schluss ein paar Terminverschiebungen geben sollte, während die Kollegen auf gepackten Koffern sitzend auf das Go zum Einzug ins gelobte Land warteten. Aber was sollte ich machen? Es waren unter anderem noch hunderte Meter Netzwerkkabel zu verlegen und zusätzliche Kleinigkeiten, die wie Termiten an der Zeit nagen.

Jetzt ist es rum. Es ist noch nicht perfekt, aber es läuft. Und von Tag zu Tag nähern wir uns der 100 Prozent-Marke arbeitsweltwirklicher Zufriedenheit. Ich kann mich jetzt wieder mit voller Hingabe meinen eigentlichen Aufgaben widmen – dafür sind wir ja schließlich umgezogen.

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