Networking. Eine andere Sicht.

“Märkte sind Gespräche” ist die ultimative Botschaft des Cluetrain-Manifestes. Damit wurde der Anfang im Ende gefunden. Der Anfang einer anderen Form in … praktisch allen Bereichen. Netzwerke sind die Gespräche der Gegenwart und das Ende der Einzelanstrengung.
Da dies so ist, mag es lohnend sein, hinter die Wellen der Oberflächen-Struktur zu blicken. Klarer zu schauen. Was zeigt sich uns in den tieferen Gewässern?

Es gibt ein gemeinsames Band, das Spitzenwissenschaft und Mystik verbindet. Ein gemeinsamer Nenner. Es ist das Wissen um die Einheit allen Lebens. Mystiker mögen vom Unnennbaren sprechen, vom formlos Vollendeten, das alles auf geheimnisvolle Weise entstehen lässt, „lange vor dem Himmel und der Erde“. Quantenphysiker sprechen von einem einheitlichen Feld, von „Zustandswellen“, die keine Wellen sind im Sinne von Schall- oder Lichtwellen, sondern formlose Möglichkeiten, Potentiale des Nichts, ungebremst, nicht-zeitlich, nicht-örtlich. Multidimensional und gleichzeitig.

Unsere moderne Technik, die gesamte virtuelle Welt, wäre ohne ein Einbeziehen dieser dem Verstand so schwer verständlichen Quantenwelt unmöglich. Aus der Integration des Paradoxen werden jene Möglichkeiten geboren, die uns Selbstverständlichkeit sind: Rasch ein e-mail nach Australien, einen Klick nah zum nächsten Kontinent, ein sms von einer verlassenen Kirche in Portugal in der Urwald von Malaysien …Wir ärgern uns, wenn ein Fax das Basislager vom Kilimandscharo nur fraktal erreicht.

Wer immer dieser Welt des Unnennbaren begegnet, erfährt etwas in sich. Berührt ein Potential, das Einstein und Heisenberg, Nils Bohr und viele andere zu Mystiker werden ließ. Das „Tao der Physik“ hat unseren Alltag still und sanft verändert. Unbemerkt von vielen. Und doch so kraftvoll umfassend, wie der Ozean vom Grund zu den Wellen der Oberfläche reicht. In diesem Erkennen der Einheit des Ozeans spiegelt sich die Erfahrung der Einheit des Bewusstseins.

Wenn wir das im Blick haben, werden uns Vernetzungen überdeutlich. Was im Ozean sollte getrennt sein? Was in unserem Bewusstsein sollte getrennt sein? Nur die Vorstellung eines isolierten „Ichs“ in den Weiten des Lebens kann eine Trennung erfahren. Doch niemals der Ozean selbst. Ein Tropfen mag diesem Irrtum unterliegen; ebenso wie ein Mensch, der sich in einem hautverkapselten Ich verliert. Doch die Existenz selbst bleibt davon unberührt.

Wenn wir das verstehen, erkennen wir, dass eine isolierte Veränderung nicht möglich ist. Wenn sich ein Tropfen verändert, verändert sich in einem gewissen Sinn der gesamte Ozean. Tatsächlich verändern sich derzeit viele Tropfen. Weltweit ist ein Erwachen aus diesem hautverkapselten Ich zu sehen. Wir erleben, was Werteforscher „global conciousness“ nennen. Ein globales Bewusstsein – das sich individuell ausdrückt. Durch Sie, durch dich. Durch uns alle.

Wir kommen unserem Potential auf die Spur und erspüren, dass das Potential immer unsichtbar ist. Wie sich das Potential eines Computers nur über dessen Gebrauch in der Anwendung ausdrückt, so erwacht auch unser menschliches Potential durch unser Handeln. Durch das, was wir tun. Und in dem beginnen wir … zu verstehen!

Wir verstehen Verantwortung. Neu! Nicht im Sinne eines mechanischen Reagierens, sondern im Sinne eines fließenden Antwortens auf das, was uns das Leben zeigt. Wir antworten auf die Echos der Netze. Wir antworten auf die Impulse anderer. Es ist ein Flow. Leicht. Schnell. Spontan. Intelligent. Herzhaft. Couragiert.

Wir konstruieren Persönlichkeit neu. Wer in Netzwerken surft, hat sich längst eine virtuelle Persönlichkeit zugelegt. Bewusst. Dadurch verstehen wir kollektiv, was die alten Griechen mit Persönlichkeit meinten. Die „persona“, die Maske, die wir aufsetzen, um unsere Rolle zu spielen. Diese Maske sind wir nicht. Die Maske mag uns da und dort dienen und/oder da und dort hinderlich sein. Wie immer – wir durchschauen das Spiel. Kollektiv. Millionen von Menschen haben verstanden und verinnerlichen das. In einem Prozess des offenen Werdens. Individuell und in vernetzten Gemeinschaften.

Bewusstsein anstatt Gewissen. Das Gewissen – woher kommt es? Von anderen, von der Gesellschaft. Das Gewissen versucht uns einzureden, wie und was wir wann zu sein hätten. Es ist eine Art Femdbestimmtheit, die sich in unser Herz genistet hat. Wir beginnen, kulturell-kreativ uns aus diesen Fesseln zu befreien. Und setzen Bewusstheit an die Stelle des alten Gewissens. Wir tun die Dinge bewusst. Verwenden Netzwerke bewusst. Verbinden uns bewusst. Unterstützen andere bewusst und wissen um den natürlichen Ausgleich von Geben und Nehmen, von Ebbe und Flut. Wir erahnen das Wesen der Dinge – und wachsen in ein Verstehen hinein. Wir werden als Menschheit erwachsen.

Netzwek-Intelligenz forscht nach der eigenen Einzigartigkeit, stellt diese dar – und bietet sie anderen an. Und zwar mehr als weiche Einladung zu einem gemeinsamen Tanz als harte Nutzen-Betonierung. Es geht um ein Verweben von Möglichkeiten und weniger um ein mechanistisch-lineares Ursachen-Wirkungs-Kalkül.

In Netzwerken wie dem highpotentialnetwork bewegen sich die Menschen anders. Viel tänzelnder. Ungeschminkter. Maskenloser. Menschlicher. Humaner. Das alte Sankrit-Wort „hu“ bedeutet „Wesen“ und „man“ heißt: „Licht“. Sanskrit ist eine der Ursprachen der Menschheit. Sie führt zu unseren humanen Wurzeln.

Aus meiner Sicht naht der nächste Sprung der Evolution. Er lautet: Menschen erkennen einander als Menschen. Das tun wir derzeit nicht. Wir reagieren noch überwiegend kollektiv wie Tiere. Nicht individuell. Doch in der Masse. Im Heer sind wir bereit, Amerikaner wie Iraker umzubringen.

Wenn Menschen einander als Menschen erkennen, sehen wir den anderen. Direkt. Unmittelbar. Wir sehen das unsichtbare Potential, weil es resoniert mit der eigenen Seele, mit dem Unnennbaren in uns. Wir sind dabei, dem Mysterium in uns zu begegnen und staunen still vor der Weite, die sich im Jetzt zeigt. In uns wird – global – eine Ahnung lebendig von der Vergänglichkeit des Körpers und von der Ewigkeit des Seins.
Und wir beginnen, unser Leben von der Vergänglichkeit her zu leben. Damit tauchen wir – wie von alleine – ein in das grenzenlose Potential des Seins. In jenes Tao, das nicht nur ein hohes, sondern ein unendliches Potential hat. In ein Tao, das handelt. Als ein Potential, das sich ausdrücken will. Und wenn nicht durch dich – durch wen dann? Und wenn nicht jetzt – wann dann? Und wenn nicht hier – wo dann?

Der Verfasser: Karl Gamper – www.gamper.com

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