Print stirbt aus? Nur über meine Leiche!

Print stirbt aus? Nur über meine Leiche!

Ja, ich arbeite in der Print-Abteilung einer Werbeagentur. Und: Nein, der Bereich liegt nicht im Sterben. Ganz im Gegenteil, denn gerade jetzt, wo viele Firmen Ihren Fokus auf das Online-Geschäft richten, ist es umso wichtiger auch auf die  gedruckten Medien Wert zu legen. Nämlich genau dann, wenn Wertigkeit, Eleganz und Haptik gefragt sind. Wenn es nicht um Abverkauf, sondern um Image geht, um die Vermittlung eines Gefühls.

Man stelle sich vor: man bekommt eine richtig schöne Broschüre auf den Tisch, hochwertiges Papier, vielleicht sogar veredelt. Siebdruck-Lackierung auf den Bildern, die elegante Prägung auf dem Titel. Das Gefühl, das mattes Papier an den Händen hinterlässt. Nein, so schnell wird man es nicht vergessen. Man will es wieder in die Hand nehmen.

Natürlich sieht es in der Realität oft ganz anders aus – der Trend geht zu günstigem Druck. Ich höre regelmäßig den Satz: Aber im Internet kostet das doch nur 25 EUR. Wenn es um ein Massenprodukt geht, z.B. Visitenkarten für die Messe, würde ich dem gar nicht widersprechen.Wenn es aber darum geht, ein Unternehmen wertig und qualitativ zu präsentieren, sollte, Nein, muss Qualität einen wesentlich höheren Stellenwert haben. Dann drucke ich nicht besonders günstig, sondern vor allem gut. Veredelungstechniken, Papierarten, Stanzungen oder Prägungen, da wird das Durchblättern einer Imagebroschüre zu einem echten Erlebnis.

Online-Verfechter spotten oft: Ja, natürlich sind Kataloge und Broschüren wichtig, äh, man kann damit Blüten pressen, wackelige Tische abstützen und Fliegen erschlagen… Oder auch http://www.youtube.com/watch?v=jAmHG6oPR2c

Nein, Scherz beiseite. Wenn mich Freunde fragen was ich so mache, dann sind sie meist erstaunt, wie abwechslungsreich meine Arbeit ist, obwohl es ja „nur“ Print ist: Logos, Geschäftsausstattungen, Anzeigen, Flyer, Imagebroschüren, Mailings, Präsentationen, Poster, Aufsteller, Großflächen-Plakate, Messewände, Autobeschriftungen, Stadtbus-Beschriftungen, Stadionbschriftung, Fahrräder, Trikot-Gestaltung, Fan-Schals, Verpackunsgdesign, Gebäudebeschriftungen, Event-Ausstattung, Arbeitsbekleidung, usw.Ach ja, nebenbei machen wir auch das Projektmanagement, die Marketingberatung und die Abwicklung mit den Produktionsbetrieben gleich mit.

Noch ein schönes Beispiel dafür, das Print ganz sicher nicht ausstirbt: In Cannes wurde jetzt eine Broschüre ausgezeichnet, die den Bereich Print wieder neu entdeckt. Ein Geschäftsbericht für einen Solarverband, desse Inhalte nur sichtbar werden, wenn er von UV-Licht bestrahlt wird.

Klar, ich bin 1.0, wie meine Kollegen gerne scherzen und ich steh dazu. Ich bin einer der wenigen Menschen, die noch ab und zu Fotos entwickeln lassen und ihre Wohnung nach dem Platz für die Bücherregale aussuchen. Also: Nein, ich möchte kein Kindle zu Weihnachten haben icon smile Print stirbt aus? Nur über meine Leiche! Ich liebe meinen Beruf und freue mich, wenn ich für Kunden Druckdaten erstelle und Ihnen das Ergebnis auf Papier präsentiere – das ist ein viel emotionaleres Erlebnis, als einen Link zu einer Website per E-Mail rumzuschicken. Finde ich jedenfalls.

Schließen möchte ich mit einem Zitat von unserem Texter: Print stirbt nicht aus. Wenn es für meinen Kunden die optimale Lösung ist, dann meißel ich es auch in Keilschrift in Steintafeln!

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