„Weil immer mehr kaputt geht“

„Weil immer mehr kaputt geht“

Interview 2 aus der Reihe  “Macher hinterfragen”

Hubert Rottner Defet ist der Gründer von Leitmessen wie der BIOFACH. Er trägt das Thema Bio im Herzen und ist ein wahrer Botschafter. Ein echter Macher: Der Messeexperte Hubert Rottner.

 

Hubert Rottner1 300x199 „Weil immer mehr kaputt geht“1. Wo siehst du dich als Macher?

Ich fühle mich schon in der Bio- oder Ökologiebranche zu Hause. Das ist mein Thema. Mein Vater war Jäger und ich von Kindesbeinen an viel in der Natur. Von ihm habe ich einiges gelernt. In Bio hatte ich auch meistens Einser. Ich sehe einfach, dass das ein wichtiges Thema ist und dass man in dem Bereich für viele Sachen kämpfen muss, weil immer mehr kaputt geht.

 

2. Was hast du in der Vergangenheit noch alles gemacht? Welche Veranstaltungen und Messen gingen auf dein Konto?

Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen. Das sind schon über hundert. 1985 haben Hagen Sunder und ich die erste Messe in Roth auf die Beine gestellt: Die „Umweltschau für das südliche Mittelfranken“. Und 1986 noch eine: die „Ökologa“ in Ansbach. 1990 haben wir mit der „BIOFACH“ angefangen. Erst in Ludwigshafen, dann in Mannheim, Wiesbaden und Frankfurt. 1999 ist sie nach Nürnberg gekommen. 2001 wurde sie dann an die Messe Nürnberg verkauft, weil mein Kollege krank wurde und in Rente ging. Aber mich reizen vor allem die neuen Sachen. Zum Beispiel der „Winterkiosk“, den meine Töchter inzwischen eigenständig veranstalten. Und am 20. Mai 2015 fängt die „klimafach“ an, eine Fachmesse für Klimaschutz. Die wird auch wieder in Ludwigshafen stattfinden, weil es in Rheinland-Pfalz viel Unterstützung für das Thema gibt.

 

3. Macht es einfach peng und die Ideen kommen bei dir von ganz alleine? Wie kam es zur BIOFACH?

Nein. Damals gab es keine Fachmesse für die Branche. Der Vorläufer „Müsli“ wurde vom Bundesverband Naturkostwaren organisiert. Wir als Aussteller haben gesehen und gemerkt, was gut ist, was es noch braucht oder was man weglassen kann. So hat sich das weiterentwickelt.

 

4. Was machst du gerade so? Also beruflich?

Ich habe verschiedene Berufe gelernt, wollte ursprünglich graphischer Zeichner werden, das ging aber nicht. Dann war ich etwa sieben oder acht Jahre Kamera-Assistent beim BR. Und dann habe ich zum Schreiner umgelernt. Während des Zivildienstes habe ich noch einen Altenpfleger-Kurs gemacht. 1987 habe ich mir gesagt: Event-/ Messeorganisation – das mache ich nun hauptberuflich. Seither ist es dabei geblieben.

 

5. Hast du als Macher in deiner „Freizeit“ wieder ein großes Projekt in Planung?

Im Mai natürlich die klimafach. Der Gewinner der Messe soll das Klima sein. Aber das ist ein bisschen schwierig zu vermitteln. Es ist wie ein großes Mühlrad. Erstmal schieben zwei, kommen kaum vorwärts, bis es in Schwung kommt. Aber Klaus Helbig und ich haben schon gute Aussteller und Mitmacher gefunden. Privat bauen meine Frau und ich gerade ein Erdhügelhaus, das ist auch sehr spannend.

Zuletzt habe ich eine Biokonferenz veranstaltet. Ich wollte die ganzen Akteure an einen Tisch bringen, um zu sehen, was es für Gemeinsamkeiten gibt. Am ersten Tag in der Grünen Halle ging es darum zu sehen, wo wir herkommen, was wir bisher gemacht haben, was sind Erfolge, was ist noch nicht gut genug? Am zweiten Tag hieß es: Open-Space. Daraus ist die Bio-Innung entstanden. Am Anfang lief es ganz gut, mittlerweile ist ein bisschen die Luft raus. Die Akteure sind einfach zu unterschiedlich. Manchmal gibt es Projekte, die nicht so laufen. Aber es ist schade, weil wir kein Sprachrohr, keine Lobby haben. Dabei haben wir viel mehr Arbeitsplätze als die Automobilindustrie, wenn man alle zusammenzählt: Den Solar- und Windbereich als große Pole, die Baubiologen, die Massivholzschreiner, die Naturkosmetik, die Naturtextiler …

 

6. Mal ganz privat: Ist dein Tausendsassa-Leben nicht fürchterlich anstrengend? Oder liebst du den Trubel?

Ich habe nicht so eine strikte Trennung zwischen Beruf und Freizeit. Das ist ziemlich vermischt, weil es mich persönlich interessiert und dadurch empfinde ich es nicht so als Belastung. „Beruf“ heißt ja auch „Berufung“. Von daher kann ich ganz gut damit umgehen. Ich sehe das alles wie ein Puzzle, hier ein Stein, da ein Stein, bis es irgendwann fertig ist.

 

7. Was macht dein Geheimnis aus, mit den vielen Aufgaben, Erwartungen und Verpflichtungen klar zu kommen?

Erwartungen sind immer ein ziemlicher Druck, weil man denkt: Hoffentlich machen alle ihr Geschäft. Kommen die richtigen Leute? Aber es macht mir immer Spaß. Auch Netzwerke zu knüpfen und zu sagen, gut, den muss man mit dem zusammenbringen, weil sich da was daraus entwickeln könnte. Das ist und bleibt immer eine Herausforderung.

 

8. Worin liegt deine Motivation? Was macht deine Leidenschaft zu all diesem Treiben aus? Und woher nimmst du deine Kraft?

Man ist halt gefordert. Viele Sachen laufen nicht so, wie man es sich wünscht und dann heißt es: engagieren. Wie hat man früher gesagt: Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt. Oder: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Aber ja, es kommt schon aus mir selbst. Ich wohne gern auf dem Land, habe meine Ruhe und gehe im Wald spazieren. Und auch meine Familie und Freunde geben mir Energie.

 

9. Und die große Frage am Ende: Was würdest du machen wollen, ganz abseits vom Bisherigen? Wenn du dich also ganz anders orientieren dürftest?

Ich habe versucht die Amerikaner und ihre Lebensart zu ergründen. In Kalifornien sind die uns, gerade was die ganze Gesundheitsbewegung angeht ein paar Jahre voraus. Aber auch, dass sie viele Sachen einfach machen.

 

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