Würde bitte an der Baumgrenze abgeben

Würde bitte an der Baumgrenze abgeben

Obschon ich kein Kind von Traurigkeit bin, wenn es um Humor geht, durchaus TV-Trash-affin durchs Programm zappe und ungern den Moralapostel spiele – diese Zeilen muss ich einfach loswerden: Auch den flexibelsten Bogen kann man überspannen.

„Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ – das Format „vom RTL“ polarisiert nun schon das siebte Jahr in Folge. Es gibt Menschen, die wenden sich mit Grausen ab. Andere feiern das Dschungel-Camp mit Kaltgetränken und Knabberspaß. 7,77 Millionen Zuschauer schalteten zum Auftakt ein – eine Schnapszahl. Passend! Denn Bild fütterte das Publikum schon im Vorhinein mit Alkohol-Eskapaden des 69-jährigen Ex-Weltstars Helmut Berger an.

Und auch für die Spottkaskaden von Urwald-Urgestein Sonja Zietlow und Bach-Nachfolger Daniel Hartwich musste das ein bisschen in die Jahre gekommene Enfant terrible herhalten. Im Mittelpunkt meistens: sein nicht ganz unverkrampftes Verhältnis zu Rauschdrogen – vorrangig Alkohol.

Eine Volkskrankheit als Unterhaltungsmittelpunkt. Hier folgen die schlechten Umgangsformen nur noch einer einzigen Funktion – Money,Money, Money. Wie zynisch ist das denn? Oder müssen Prominente, die sich unter finanziellem Druck auf das Format eingelassen haben, ihre Würde an der Baumgrenze abgeben?

Argumente wie „Die sind ja freiwillig da“ oder „Die kriegen doch Kohle dafür“ greifen nur zum Teil. Es ist die Aufgabe der Sender, auch abgehalfterte B bis Z-Promis (vor sich selbst) zu schützen. Nur: Wo ist die Grenze zwischen bitterbösem Humor und Ehrabschneidung? „Beim RTL“ ist sie wenigstens dort gesetzt, wo Leib und Leben der Dschungel-Insassen existenziell in Gefahr geraten – beruhigend irgendwie!

Dr. Bob zog die Notbremse. Bei tropischen Temperaturen und dem kargen Camp-Leben hätte Berger kollabieren, gar sterben können. Wären die Texter der Moderatoren darauf vorbereitet gewesen. Was hätten Hartwich und Zietlow vom Teleprompter abgelesen und mimisch-kichernd ins deutsche Wohnzimmer getragen? Ich will es mir gar nicht vorstellen.

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